MÄRZ 2019 BESUCH IN WITU

In der ersten März-Woche waren wir auf Besuch in Witu mit unseren Familien.

In diesem Kurzfilm finden finden Sie eine kurze Dokumentation unserer Eindrücke.

 

 

 

Reisebericht zum Besuch in der Missionsstation in Witu/Kenia

3.-4. März 2019

 

Am 2. März 2019 ist eine Delegation des Vereines Servus, bestehend aus den Familien Kreuzer/Frings und Kuntner, zu einer (natürlich mit Eigenmitteln finanzierten) Besichtigungsreise der vom Verein durchgeführten Projekte nach Witu Kenia aufgebrochen.

Am 3. März sind wir morgens in Mombasa gelandet und von Pater Alex samt Mietfahrzeug mit Fahrer in Mombasa am Flughafen abgeholt worden. In Witu selbst sind wir dann am Nachmittag angekommen, wo uns Pater Adolf Pöll und seine Mitarbeiter (1 Priester namens Cyprian und 4 Mill-Hill-Studenten), sowie die Missionsschwestern erwartet haben.

Der Rundgang durch die Missionsstation, den wir bald machen durften, war sehr beeindruckend und bewegend. Hierzu einige Eindrücke:

 Das Mädchenheim (Hostel): der Bau ist schon, wie bei Pater Adolf nicht anders erwartet, weit fortgeschritten. Der neue Trakt schließt sich nahtlos an den alten Trakt an. Das deutlich bessere Fundament (es ist so gebaut, dass man es in Zukunft um einen Stock erhöhen könnte) sieht man optisch nicht. Der Innenhof, in dem die Mädchen in der Trockenperiode auch kochen, ist geräumig – hier verbringen die Bewohnerinnen gerne ihre Freizeit. Der neue Studierraum ist bündig an den alten angebaut. Die Küche ist auch geräumig und für afrikanische Verhältnisse sauber.

Die Toiletten und Duschräume sind in gutem Zustand. Dass wir 2014 während des Baues beschlossen hatten, nachträglich die Bäder mit Fliesen auszustatten (und nicht die rohe Mauer zu lassen wie Pater Adolf es ursprünglich geplant hatte) hat sich als gute Entscheidung erwiesen. Es gibt keinen Schimmel (wie in nicht gefliesten Bädern üblich).

Am Eingang befindet sich ein massives Eisentor, das nachts geschlossen wird und von einem „Watchman“, den wir auch kennen lernen durften, bewacht wird. Bei diesem Sicherheitsmann handelt es sich um einen Massai, die für diese Arbeit die Besten sein sollen.

Das Heim wirkt in seiner Gesamtheit für unsere Lebensgewohnheiten eher eng, schlafen doch die Mädchen zu viert, manchmal auch zu sechst in einem winzig kleinen Zimmer. Am Abreisetag durften wir ein an Malaria erkranktes Mädchen, das im Mädchenheim wohnt, zu Hause in ihrer Lehmhütte besuchen; durch die Einsicht in den Wohnstandard anderer Gebäude (Hütten) sind wir zur sicheren Erkenntnis gelangt, dass das Mädchenheim eine gute und angemessene Wohnqualität für die lokalen Verhältnisse bietet. Pater Alex hat mehrmals bestätigt, wie glücklich sich die Mädchen mit dieser Wohngelegenheit schätzen.

Die Hausmutter (matron) sorgt dafür, dass die Mädchen beim Haushalt helfen; beispielsweise konnten wir sehen, wie einige Mädchen im Innenhof den täglichen Maisbrei (Ugali) für das Abendessen zubereiteten. Das Haus ist relativ sauber!

Pater Alex Kimbi hat die Oberaufsicht und macht das beeindruckend gut. Hierzu ein Vorkommnis, das wir hautnah miterleben konnten: in unserer 1. Nacht wurden wir durch extrem lautes „Mädchenkreischen“ geweckt, das von Alex aber ziemlich schnell beruhigt wurde. Am folgenden Tag wurde uns berichtet, dass einige Mädchen einem anderen einen „Scherz“ gespielt hatten und es „verhext“ hatten. Das ist für manche Mädchen ein riesen Problem, da sie zwar christlich sind, aber im Hinterkopf noch die althergebrachte Kultur der Geister haben. Alex hat sofort reagiert, indem er intensive Gespräche mit den Eltern der Mädchen (die extra kommen mussten) und den Mädchen selbst geführt hat. Uns hat das sehr beeindruckt und Sicherheit gegeben, dass er die Mädchen wirklich einzeln gut kennt und wenn nötig sofort einschreitet.

Auch ist Alex für die Buchführung und den Einkauf der Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände im Mädchenheim zuständig.

Die Mädchen sind alle einheitlich gekleidet: für die Schule tragen sie die Uniform der jeweiligen Schule, im Heim Leibchen mit der Servus-Aufschrift (was uns sehr gefreut hat!). 

Wir wurden mit einer Freude, Liebe und Dankbarkeit begrüßt, die sogar etwas beschämend war. Es hat uns wieder einmal vor Augen geführt, was wir für ein Glück haben, in Südtirol leben zu dürfen.

Am Abend wurden wir dann von den Schwestern zum Essen eingeladen, sie haben sich unglaublich bemüht und ein Festessen für uns vorbereitet. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch mit den 4 Mill-Hill-Studenten, den Schwestern und dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates ins Gespräch kommen. Die Unterkunft für die Nacht war „afrikanisch“, eine interessante Erfahrung.

Am folgenden Tag begleiteten uns Pater Adolf, Pater Alex und Pater Cyprian zur Grundschule und den Lehrerwohnungen, ein unglaubliches Erlebnis für uns.

 Die Lehrerwohnungen sind alle komplett belegt. Für unsere Verhältnisse sind sie winzig klein, aber jede verfügt über einen kleinen Wohnraum mit Schlafbereich und einer kleinen Kochnische mit fließendem Wasser. Sie sind sauber und ordentlich. In einer dieser Wohnungen lebt sogar eine Lehrerin mit ihren 2 kleinen Kindern (sicherlich sehr beengt!). Aber alle sind über diese Möglichkeit sehr dankbar, sie könnten sich eine andere Unterkunft nicht leisten. Und die Nähe zur Schule (ca 30 Meter) ist ein enormer Vorteil.

Die Grundschule ist sehr sehr schön geworden mit großen Klassen, wo die Kinder nicht beengt sitzen müssen. Die Toiletten befinden sich direkt neben dem Schulgebäude.

Wir wurden schon erwartet und kamen in den Genuss von Vorführungen. Jede einzelne Klasse hatte etwas für uns vorbereitet mit Gesang, Tanz, einer kleinen Rede, einem liebevoll gestalteten Kartl und Geschenken. Es war ein Fest! In diesem Schuljahr gehen die Jahrgänge bis zur sechsten Klasse. In den kommenden 2 Jahren sind dann alle Jahrgänge belegt.

Die Kinder konnten recht gut englisch sprechen. Auch durften wir einer Unterrichtstunde beiwohnen und in die Bücher und Hefte schauen. Wir waren über die gute Qualität erstaunt. Pater Adolfs Ziel war und ist es, mit dieser Schule eine „Vorzeigeschule“ (wie er es nennt) zu bewerkstelligen. Es scheint ihm gelungen zu sein.

Was uns auch sehr positiv gestimmt hat ist, dass alle Lehrer, die wir von der Berichterstattung kannten, noch an der Schule unterrichten und dass Bryan (er studierte mit einem Stipendium von Servus e.V.) ebenfalls, wie im Vorfeld versprochen, in unsere Schule zurückgekehrt ist. Das zeugt davon, dass sich die Lehrer wohl fühlen. Diese Kontinuität kann für die Kinder nur hilfreich sein.

Im Lehrerzimmer konnten wir auch genaue Stundenpläne und eine Auflistung des Lehrkörpers sehen, was für eine gute Organisation spricht.

Am Rande des Schulgartens befindet sich eine kleine Hütte. Hier wird für die Kinder das Mittagessen gekocht. Zuständig dafür sind Mütter, die von den Josefmissionaren angestellt sind. Dieses Arrangement sichert einerseits die Qualität des Essens für die Kinder (die Organisation obliegt auch hierfür Pater Alex), andererseits aber auch einen kleinen Verdienst für die Frauen.

 Nachmittags hat Pater Adolf uns in 2 Gruppen aufgeteilt, sodass jede Gruppe 2 „Secondary“-Schulen, wo unsere Patenkinder beziehungsweise Jugendliche, die mit unserem Schulgeldfonds unterstützt werden, besuchen konnte. Wir waren einerseits von der doch recht guten Qualität der Schulen beeindruckt, andererseits wurde uns aber ein Problem bewusst: wenn diese Jugendlichen die Schulausbildung (bei uns vergleichsweise die Matura) fertig haben, haben sie noch nichts in der Hand. Um eine gute Arbeit zu bekommen, müssen sie noch eine zusätzliche Ausbildung machen, wie beispielsweise eine ein- bis zweijährige Hotelfachausbildung, eine Ausbildung zur Krankenschwester, o.ä.. Das bedeutet, dass im Moment Servus e.V. die Jugendlichen nur für einen Teil ihres Weges begleiten kann. Wir haben uns vorgenommen, dies im Juni, wenn Pater Adolf zu unserer Benefizveranstaltung nach Südtirol kommt, mit ihm genauer zu besprechen. Wir werden sicherlich versuchen, eine Lösung zu finden. Mit den Patenschaften, wie wir sie im Moment organisieren, geht das nicht, denn wenn ein Pate ein Kind 4 Jahre mit € 350.- im Jahr konstant begleitet, ist das schon eine beträchtliche Hilfe. Mehr kann man unserer Ansicht nach nicht erwarten. Aber wir denken nach…

Auch konnten wir feststellen, dass es an jeder dieser Schulen, auch an „unserer“, eine große Lücke gibt: es gibt zwar Räume für Bibliotheken, aber Bücher kann sich niemand leisten. Unsere eigenen Kinder, die bei der Reise dabei waren, haben beschlossen, eigenständig in ihren Schulen eine Aktion zu starten, so dass in Witu geeignete Bücher angeschafft werden können. Wir unterstützen das als Eltern natürlich sehr.

Abends haben wir uns alle wieder in der Missionsstation getroffen und wurden im Mädchenheim zum Essen eingeladen. Auch dieser Abend war sehr berührend. Einerseits wurde uns wieder ein Festessen vorbereitet, andererseits gab es auch hier eine unglaublich gut vorgebrachte Rede eines Mädchens, Tänze und  ein Geschenk (wir haben alle Leibchen mit dem Logo des Hostels bekommen). Auch dieses Ereignis war extrem berührend.

Unsere Erkenntnis nach dieser Reise: im kleinen Witu konnten wir, sicherlich im Kleinen, doch viel erreichen. Was wir gebaut und organisiert haben, funktioniert und ist nachhaltig. Auch haben wir die Freundschaften, die wir durch unsere Zusammenarbeit aufgebaut haben, deutlich gefestigt und vertieft und einige wichtige Dinge (wie beispielsweise Unterricht für erwachsene Analphabeten in der Grundschule abends) besprechen können.

Insgesamt gesehen ist unsere Arbeit nur ein Tropfen im großen weiten Meer, für das kleine Witu aber ist sie ein Segen. Das freut uns und bestärkt uns im Glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir arbeiten voller Energie weiter!